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Trassenplanung

 „Im Unterschied zu klassischen Straßen- oder Bahnprojekten haben wir bei einer HGÜ-Trasse, die Hunderte Kilometer lang ist, kein durchgehendes Baufeld, auf dem alles gleichzeitig umgesetzt werden kann. Stattdessen unterbrechen immer wieder Querungen – wie Straßen, Bahnlinien, Flüsse oder andere Versorgungsleitungen – den Bauablauf. Jede dieser Stellen erfordert eine eigene logistische Anbindung über die vorhandenen Wege. Dies führt nicht zwingend zu einem höheren Planungsumfang, stellt die Planung jedoch vor grundlegend andere Herausforderungen. Besonders die Logistik beim Kabelbau ist herausfordernd: Die Kabeltrommeln mit einer durchschnittlichen Abwicklungslänge von ca. 1,2 km haben ein Gesamttransportgewicht von über 150 Tonnen und sind bis zu 36 Meter lang. Damit alles reibungslos läuft, müssen diese Schwertransporte sicher und termingerecht zu den jeweiligen Baustellenabschnitten gebracht werden. Das ist eine Teamleistung.“ 
Andreas Völkel, Geschäftsbereich Lineare Infrastruktur

 

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Die fachlichen Vorarbeiten und Planungen sind das entscheidende Fundament, damit die Kabel ihren Platz finden, um zuverlässig Energie zu transportieren.

Trassierung und Bündelung
Ein Ziel der Trassenplanung ist die Bündelung mit vorhandenen Infrastrukturen oder bestehenden Leitungskorridoren wie Strom- oder Gasleitungstrassen, um neue Flächeninanspruchnahmen und Eingriffe in die Umwelt zu minimieren. Gleichzeitig bestehen klare Vorgaben und Einschränkungen:

  • Straßen: Die Anbauverbotszonen bedingen bei den Bundesautobahnen, Bundes-, Landes- bzw. Staatsstraßen einen entsprechenden Abstand zur Verkehrsanlage bei einem parallelen Verlauf.
  • Bahntrassen: Die Vorgaben der Deutsche Bahn AG sind hinsichtlich der geringsten möglichen Abstände zu beachten – ein paralleler Verlauf wird vermieden.
  • Querungen von höherqualifizierten Straßen und Bahnlinien: erfolgen in der Regel geschlossen. Bei Bahnstrecken kommen bahnzugelassene Verfahren wie Rohrvortriebe zum Einsatz, bei Autobahnen sowie Bundes- und Landesstraßen in der Regel HDD-Bohrungen (Horizontal Directional Drilling), während im nachgeordneten Straßen- und Wegenetz überwiegend in offener Bauweise gequert wird.

Umgang mit Fremdleitungen

  • Wasserleitungen: Beachtung der Abstände zur Vermeidung von zum Beispiel Legionellenbildungen durch Erwärmung
  • Andere Stromleitungen: Beachtung der Abstände zu Vermeidung der gegenseitigen thermischen und elektromagnetischen Beeinflussung

Fragmentierter Bauablauf
Im Gegensatz zum Straßenbau, bei dem zunächst die Brücken und anschließend die durchgehende Fahrbahn errichtet wird, erfolgt der Bau von HGÜ-Trassen fragmentiert. Jeder Konfliktbereich, wie Gewässer, Verkehrsinfrastruktur, wertvolle Biotope, Alleen, Bodendenkmäler etc. wird mittels geschlossener Bauweise unterquert, wenn dieser nicht umgangen werden kann. Dies beeinflusst:

  •  Logistik: abschnittsweise Ausführung (offen/geschlossen), erhöhtes Umsetzen der Technik und Materialtransporte
  • Zeitplanung: mehr parallele Einzelmaßnahmen
  • Koordination: zahlreiche Schnittstellen zu Behörden und Anwohnern

 Logistische Herausforderungen

  •  Kabeltransportfahrzeug: Gesamtlänge des Fahrzeugs 36,10 m (Achsen 4+4+6), Gesamtgewicht mit Ladung bis zu 150 t
  • Transporte: Fahrzeugmaße Normalfahrt lichte Höhe 4,50 m, Breite 4,20 m, damit als Großraum- und Schwertransporte (GST) in den Nachtstunden unter entsprechender Begleitung
  • Kabellängen: Maximal transportierbar sind ca. 2 km. Daher sind in Abhängigkeit von der Gesamtvorhabenlänge Muffenstationen nötig, was zusätzliche Flächen- und Logistikplanung erfordert.
  • Anfahrt: Einzelne Abschnitte werden über Neben- oder provisorische Wege erreicht. Dies erfordert eine genaue Planung der Zuwegungen unter Beachtung der Vorgaben zur Befahrbarkeit durch das Fahrzeug insbesondere für die Breite, den Lichtraum, die Kurvenverbreiterung, die maximal zulässigen Steigungen.
     
Planungsleistungen INROS LACKNER Gruppe
Erarbeitung der Grob- und Feintrasse in der Lage und Höhe
Erarbeitung der 3D-Linie zur Positionierung aller für den Kabelzug und die Mufenmontage benötigten Flächen
Kreuzungsplanung und Abstimmung mit den Leitungsbetreibern, Baulastträger für die Infrastruktur
Höhen- und Lagepläne
Baugrund- und Geotechnik
Vermessung
Schallschutzmaßnahmen
Bauablaufplanung
Planung aller Flächen und Zufahrten für die Baudurchführung, den Kabelzug und die Muffenmontage